Die Schlacht ist geschlagen Unkrautvernichtungsmittel

Auch in Deutschland wird Glyphosat ab 1.1.2023 verboten sein. Ausnahmslos. Nachhutgefechte sind sinnlos. Und wir Gärtner? Sofern wir uns mal in Not dran vergriffen haben?

Als ich unseren Garten übernahm, fand ich im Schuppen noch eine Dose UnkrautEx vom Vorgänger, so der Handelsname. Es ist ein seit langem verbotenes Totalherbizid auf der Basis von Natriumchlorat, das bedenkenlos auf Bahndämmen, Wegen und im Garten angewandt wurde. Mit Zucker vermischt hätte ich leicht eine Bombe daraus bauen können. Herbizide sind umstrittene Kampfmittel. Je nachdem, was die Industrie aus ihrem großen  Chemiebaukasten zusammenmixt, kommen selektive Herbizide heraus, die nur gegen bestimmte Unkräuter wirken, oder Totalherbizide, die unterschiedslos alle Pflanzen absterben lassen. Es versteht sich von selbst, dass die Produktion und der Einsatz von Herbiziden zu Recht ein politischer Kriegsschauplatz ist, denn es geht um die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier.

Glyphosat, unter dem Handelsnamen Roundup bekannt, war ein probater Kampfstoff in den Händen des sorgsamen Kleingärtners.  Es ist eine Erfindung des US-Agrarkonzerns Monsanto, der jetzt zum Bayer-Konzern gehört.  Da Glyphosat  für Krebserkrankungen verantwortlich gemacht wird, sind gegen Bayer in Amerika Prozesse auf Schadensersatz in Milliardenhöhe anhängig.

Die komplexe Chemikalie ist ein globales Riesengeschäft. So unbedenklich, wie es immer noch von den Herstellern und der Agrarlobby propagiert wird, ist Glyphosat aber definitiv nicht. Es kann Mensch, Tier und Umwelt nachhaltig schädigen, besonders wenn es unsachgemäß angewendet wird. Und es haben sich mittlerweile Superunkräuter herausgebildet, die resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel sind.

Bis zum finalen Verbot von Glyphosat in Deutschland ab 1.1.2023 gibt es  eine „systematische Minderungsstrategie“, die den Verbrauch in der Landwirtschaft um drei Viertel reduzieren soll. Danach werden die Bauern wieder wie zuvor mit ihren Traktoren über die Äcker dieseln und pflügen und alternative Unkrautvernichtungsmittel spritzen. Denn gegen jedes Kräutlein gibt es schließlich ein amtlich zugelassenes Herbizit.

In Haus- und Kleingärten gilt das Glyphosat-Verbot bereits. Wir  nehmen sowieso den Jäter und  den Spaten zur Hand, jäten, graben um und mulchen.  Und gegen ganz, ganz üble Unkräuter gibt es vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) immer noch für Haus- und Kleingärten zugelassene Unkrautvernichtungsmittel.  Auch wenn es ökologisch nicht ganz korrekt sein sollte, wenn Sie mich fragen, ein Kriegsverbrechen ist es nicht, wenn sie in Notwehr schon mal verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Außerdem gibt es auch wirksame Bio-Herbizide auf dem Markt, die Pelargonsäure enthalten.  Aus welcher Pflanze sie gewonnen wird, sagt schon der Name: aus Pelargonium roseum, dem Storchenschnabel.

Wie auch immer Sie sich entscheiden beim Einsatz von Herbiziden – es ist von zentraler Bedeutung, sich genau zu informieren, welches Mittel gegen welches  Unkraut wirkt und wie es korrekt einzusetzen ist. Sonst hilft nur in die Hände spucken.