Glyphosat Teufelszeug oder Helfer in der Not?

„Der vollendete Kriegsherr hütet das Gesetz der Moral und achtet streng auf Methode und Disziplin; so liegt es in seiner Macht, den Erfolg zu bestimmen.“  Der Kriegsstratege  Sunzi (+ 496 v. Chr.)

Gartennachbarn haben ihn. Gelegentlich zupfen sie zarte Blätter für Salat oder dünsten sie wie Spinat und nehmen die kleinen weißen Blüten als Deko auf der Mousse au chocolat. Sie haben Giersch in ihrem Garten. Schön für die Kräuterküche, unausrottbare Pest im Garten. Ich will Sie nicht mit Frontberichten von Gärtner und Gärtnerinnen langweilen, von ihren verzweifelten Versuchen das Wildkraut – sagte ich Wildkraut? – das Gartenunkraut mit seinem unterirdischen Rhizom auszurotten. Für die einen ist das Totalherbizid Glyphosat ein probater chemischer Kampfstoff nicht nur gegen Giersch, für andere ist es ein Teufelszeug.  Warum? Es wurde von der renommierten Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen eingestuft. Übrigens in derselben Gefahrenklasse wie Kaffee und Fahrstuhlfahren. Im Dezember 2017 hat nun die zuständige Kommission der EU die weitere Zulassung von Glyphosat bis Ende 2022 dekretiert, die GroKo will es mit einer noch unbestimmten Auslaufzeit endgültig verbieten.

Da Glyphosat eine so hohe symbolische Bedeutung hat, wird der propagandistische Krieg zwischen der Agrarindustrie und der Agrochemie und ihren Gegnern aber weitergehen. Was zu bedenken ist: Wenn Glyphosat in der Landwirtschaft gänzlich verboten wird, dann setzen Landwirte, und sicher auch Kleingärtner, andere zugelassene Herbizide ein, deren Wirkungen auf Mensch, Tier und Boden noch weniger erforscht sind.  In einem sind sich aber auch Gegner des Totalverbots einig: Glyphosat dürfte nur streng indiziert und verantwortungsbewusst eingesetzt werden. (Dass es in Asien unter Reisbauern und in Lateinamerika auf Baumwollplantagen gehäufte Fälle von Krebs gibt, kann wohl kaum bestritten werden, es liegt dort aber an dem unsachgemäßen Einsatz! Diskutieren muss man aber auch bei sachgemäßem Einsatz die Wirkung auf Boden, Pflanzen und die Verarmung von Insekten und Vögeln.)

Der angebrachte und verantwortliche Einsatz durch den Kleingärtner gegen üble Unkräuter, die anders nur äußerst schwer zu bekämpfen sind, wäre zwar ökologisch nicht sonderlich korrekt, aber auch kein Kriegsverbrechen. Eben sowenig wie der Gebrauch anderer Herbizide, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für den Gärtner zugelassen sind. Sie enthalten als Wirkstoffe u.a. Dicamba, MCPA oder Clopyralid. Es gibt aber auch ein Bio-Herbizid, es enthält Pelargonsäure. Aus welcher Pflanze es gewonnen wird, sagt schon der Name, aus Pelargonium roseum, dem Storchenschnabel.

Wie auch immer, man muss sich genau informieren, was gegen welches Unkraut wirkt und wie es korrekt einzusetzen ist. Wenn Sie Giersch oder den zerstörerischen Japanischen Staudenknöterich in ihrem Garten haben, müssen Sie nicht ins Grübeln kommen. Ich habe beides nicht im Garten, noch nicht. Aber gegen die Zaunwinde, die meine schönen Hostas und anderes erdrosselt, weiß ich mir nicht anders zu helfen als die Blätter mit Glyphosat zu bepinseln oder mit dem auch käuflichen Schaum zu besprühen.

NÜTZLICHE und ZUVERLÄSSIGE INFOS
www.greenpeace.de/Gentechnik‎
PDF: Totalherbizid Glyphosat – Gefahr für Mensch und Umwelt (07.06.2016)
Wikipedia:  Glyphosat und Roundup