Das Superweib lockt Ein Frontbericht vom Kampf gegen den Buchsbaumzünsler

„Die Kunst des Krieges lehrt uns, nicht darauf zu hoffen, dass der Feind nicht kommt, sondern darauf zu bauen, dass wir bereit sind, ihn zu empfangen.“.
Clausewitz: „Vom Kriege“

So sind sie nun mal die Männer, sie fliegen auf die Superweiber. Ein Blick und sie sind hin und weg. Da er dämmerungs- und nachtaktiv ist, muss sich der Buchsbaumzünsler allerdings auf seine Sensoren für Sexuallockstoffe verlassen. Und wenn da was lockt, dann stürzen sie sich gleich betört und von Sinnen rudelweise auf’s Superweib. Blöd nur, es ist eine raffinierte Plastikfalle, geimpft mit dem Sexuallockstoff der Weibchen. Gleich zwölf am Ende einer Nacht habe ich Ende Juni 2017 in der ersten Flugphase gezählt, in der zweiten und dritten Flugphase im Juli und August weitere 40 Top-Terroristen. Mittlerweile vernichtete der Zünsler europaweit ganze Buchsbaumbestände, jahrhundertealtes Weltkulturerbe in Barockgärten bereitet er ein Ende. Gut 50 Befruchter weniger in der Falle. Wäre damit der regelmäßig einsetzende Raupenbefall bei mir ausgeblieben?

Seit letztem Jahr gibt es endlich auch in Deutschland die Buchsbaumzünslerfallen zu kaufen. Um es gleich klarzustellen, es ist ein Monitoring-Mittel, es zeigt an, wann die Buchsbaumzünsler schwärmen und die Weibchen befruchten, die bis zu vier mal im Jahr Eier legen, aus denen dann etwa 12 Tage später die gefräßigen Raupen schlüpfen und die Blätter der Buchsbaumumrandungen, Buchshecken und Solitäre ratzekahl wegfressen. Die Fallen sind im Krieg gegen den Invader, der um 2007 mit Containerware aus Asien eingeführt wurde, ein Frühwarnsystem. Denn wenn Männchen auf das Superweib fliegen, beginnt ein neues Gefecht im permanenten Krieg gegen diesen Schädling. „Ich habe es aufgeben und alle Büsche rausgerissen und entsorgt.“ Immer wieder höre ich das in Gartencentern und in der Kleingartenanlage. ICH KAPITULIERE NICHT. Ich ersetze meine Buchsumrandungen der Beete nicht mit Ilex crenata, ich gebe die fast meterhohe 20jährigen Kugel und die schön geschnittenen Säulen und Pyramiden nicht auf. KRIEG DEM KRIEGE. Doch was tun?

Am 19. Juli  letzten Jahres kam dann die SMS der liebe Gartennachbarn, die in unseren Ferien das weitere Monitoring übernommen hatten: starker Befall.  Auf die fette Länge von 3 cm hatten sie sich schon angefressen. Warum hatten wir sie nicht schon früher entdeckt, warum waren sie schon fast ausgewachsen, bald reif zum Verpuppen?  Sie beginnen ihr Werk zunächst tief im Inneren des Buchs, außerdem sind sie mit ihrem Camouflage-Kriegsdress, perfekt getarnt.
Ich hatte für den Nachbarn schon die 5-Liter-Spritze mit Neem  vorbereitet. Als wir aus dem Urlaub kamen, fand ich immer noch fressende Raupen, einige kommen halt immer durch. Aber die Schäden waren überschaubar, der Buchs würde neu austreiben. Eine Schlacht war gewonnen, nicht aber der Krieg.

Ab März ist also Monitoring mit dem Superweib angesagt, dann muss der Gartenkrieger und die Gartenkriegerin regelmäßig Kontrollgänge machen und befallene Büsche behandeln oder gleich profilaktisch alle spritzen. Man sollte sich daraus keine Gewissensfrage machen, denn der Zünsler macht es auch nicht, er will nur fressen, fressen, reproduzieren, reproduzieren bis aller Buchs vernichtet ist. Tod dem Buchsbaumzünsler.

Wer den Feind besiegen will, muss ihn kennen.
Aussehen


Typische Schadbilder

Auftreten
Kleine Raupen überwintern. Die Katastrophe beginnt, wenn sie sich verpuppt haben und ab April die erste Generation fliegt. Bereits 3 Tage danach kriecht die neue Raupengeneration aus den abgelegten Eiern und beginnt ihr zerstörerisches Werk. Die Zünslerfalle sagt einem, wann man mit der Bekämpfung der gefräßigen Raupen beginnen muss.

Methoden der Kriegsführung. Best practise
Siehe auch Zünslertabelle 

1) Monitoring
Ab April Pheromonfalle mit frischem Lockstoff aktiv machen und aufhängen.
Mindestens 1x pro Woche nachsehen, ob Zünsler reingegangen sind.
Der Lockstoff reicht je nach Anbieter 2 bis  3 Monate, dann muss er erneuert werden!
Ist Flugphase 1 zu Ende – dass kann bis zu zwei Wochen dauern! – die Falle entleeren.

2) Bekämpfung
Ab dem 3ten Tag nach die ersten Zünsler in die Falle gegangen sind, kriechen irgendwo im Buchs die kleinen Raupen aus den Eiern. Immer zuerst im Inneren der Büchse nachsehen ob Befall vorhanden ist.

Bei Befall: Ob man jetzt Raupen per Hand absammelt, sie mit dem Kärcher abspritzt und aufsammelt oder anfängt zu spritzen, muss jeder für sich nach Lage entscheiden.

Ich benutze zugelassene Insektizide:
Gute biologische Wirkstoffe sind  Neem  oder  der  Bacillus thuringiensis.   Beides sind zugleich die Handelsnamen.

Chemische Mittel haben den Vorteil, dass sie systemisch wirken, d.h. die Blätter nehmen das Gift auf und speichern es. Sie wirken also nachhaltiger. Zum Beispiel  Lambda-Cyhalothrin unter dem Handelsnamen Axiendo Garten Schädlings-frei.
Es gilt als nicht bienengefährlich. Es ist in Deutschland, der  Schweiz und in Österreich gegen eine Vielzahl beißender und saugender Insekten an Getreide, Raps, verschiedenen Futter- und Ölpflanzen, Gemüse, Teekräutern, Hopfen, an Beerenobst, im Weinbau sowie im Forst zugelassen.
Da ein Feind selten allein kommt, werden auch Pyrethrumhaltige  Insektizide empfohlen, die gegen den Buchsbaumblattfloh wirken und die Raupen des Zünslers gleich mit killen sollen.  Pyrethrum wird aus den Blüten von Mutterkrautarten gewonnen.


3) Zyklen
Schon etwa 6 bis 8 Wochen nach der ersten Raupengeneration folgt nach der Flugphase die 2te Generation, der eine 3te folgt. Das heißt, man ist vom Frühjahr bis in den Herbst mit Gefechten gegen den Buchsbaumzünsler beschäftigt.


Auch der Krieg im Garten unterliegt Konventionen. Wie Fassbomben international geächtet sind so auch die Neonicotionide wie Thiacloprid. Sie sind für den Einsatz im Haus- und Kleingarten nicht mehr zugelassen.

Aber wenn es nur das wäre, der Buchs hat noch einen anderen Todfeind, den Pilz Cylindrocladium buxicola, die Blattfallkrankheit. Sie beginnt, wenn es schön warm ist und es ordentlich regnet. Oder wenn Sie den Buchs selber beregnen. Sollten Sie nicht tun. Ich habe Lehrgeld gezahlt.