Ach Du Scheiße. Mäuseplage

„Zur Kunst des Krieges gehört es Köder auszulegen, um den Feind in Bewegung zu halten und ihn zu stellen“.
Das riet der chinesische General und Militärstratege Sunzi († um 496 v. Chr.) in seinem Klassiker „Die Kunst des Krieges“.

Das Gartenjahr hat begonnen. Endlich, sehnlichst erwartet. Sie schließen Ihr Gartenhaus auf und den Gerätschuppen, um froh zu Spaten und Harke zu greifen. Nur, was müssen Sie sehen: Ihre Gartenklamotten, die Decken und Kissen sind zerfetzt und zu einem kuscheligen kunstvollen Mäusenest verbaut. Vorräte sind angefressen, Flüssiges ist ausgelaufen und obendrein ist alles verköttelt und verpisst. Mäuse. Und dabei ist es Ihnen schnurz, ob es Haus- oder Feldmäuse waren. Sie könnten schreien. Oder tun es.

Ich habe keine Mäusephobie, schreie nicht auf wie eine Nachbarin, wenn sie eine Maus rumflitzen sieht. Nein, die Mäuschen sind putzig; es gibt allerliebste Kinderbücher mit ihnen als Helden, sie können in meinem Garten machen, wozu sie lustig sind. NUR, das Gartenhaus und der Schuppen sind NO GO AREAS für Mäuse. Ich habe alles versucht, nach dem Motto „leben und leben lassen“. Ich habe mit Latten Türspalten vernagelt, ich habe alles abgedichtet, ich habe Löcher verstopft. Muss man alles machen, hilft aber nur bedingt. Ein winziger Spalt oder ein Loch von nur wenigen Millimetern und sie flutschen durch. Mäuse haben sich bei mir durch zentimeterdickes Holz genagt und sich sogar durch den Mörtel rund um einen Abfluss durchgearbeitet.

Als erstes habe ich nach der Genfer Gartenkriegskonvention Lebendfallen aufgestellt. (Man muss sie aber ständig kontrollieren, denn schon nach zwei Tagen ohne Nahrung und Wasser beginnt ihr qualvoller Todeskampf!) Und dann sitzen sie da so niedlich mit ihren Knopfaugen in der Falle, das seidige Fell aufgeplustert, ruhig der Dinge harrend, die da kommen. Ja und was dann? Die possierlichen Nager beim Nachbarn oder auf dem nahen Friedhof freilassen? Mit strenger Ansprache: Kommt ja nicht zurück! Es wird euer Schaden sein!! Wo eine Maus ist, sind viele, sagt meine erfahrende Nachbarin. Mit Lebendfallen kann man Mäuse in Wohnungen wegfangen, nicht im Garten. Bleibt nur: Gefangene werden nicht gemacht.

Der Arzt Guillotine erfand die gleichnamige Tötungsmaschine zu französischen Revolutionszeiten nicht aus Grausamkeit, sondern aus Humanität (!). Hinrichtungen sollten schnell, sicher und schmerzlos vollstreckt werden. Nach diesem Prinzip funktionieren die Schlagfallen für Mäuse und Ratten: Blitzschnell, schmerzfrei. Tierquälerei ist es jedenfalls nicht. Ich habe jahrelang Schlagfallen aus Draht benutzt und sie mit Schokolade oder Erdnussbutter beködert. Beim Spannen waren aber zunächst einmal meine Finger gefährdet. Es gibt jetzt Schnappfallen aus Plastik mit auswechselbaren Dauerködern. Perfekt! Wie ein kanadischer Trapper gehe ich jetzt jede Woche die Fallen im Gartenhaus, im Geräthaus und dem Schuppen ab. 11 mal haben sie in diesem Winter bereits zugeschnappt. Es heißt so schön, mit Speck fängt man Mäuse. Ja, sie sind Allesfresser, um nicht zu sagen Kannibalen. Sie fressen auch gerne Ihresgleichen. Das wird mir immer wieder klar, wenn in den Schlagfallen nur noch die Köpfe übriggeblieben sind.

Das Frühjahr und der Frühjahrsputz können kommen. Diesmal ist nichts zerfledert, nichts zugeköttelt und verpisst. Und im Garten können sie machen, wozu sie lustig sind. Da sehe ich ihnen nach, dass sie die zarten Krokusspitzen weggefressen und Zwiebeln ausgegraben haben. „Leben und leben lassen.“ Ist ja nur ein Garten.

Mehr zu Mäusen und anderen Nagetieren im Buch: „Garten ist Krieg“